Wirtschaftliche Aspekte der Nanotechnologie
Wirtschaft und Forschung hängen direkt voneinander ab, das gilt besonders für technisch hochentwickelte Länder wie Deutschland. Zunächst ist es interessant, sich anzusehen, wie die Wirtschaft Einfluss auf die Entwicklungsrichtung der Forschung nimmt. Forschung wird hauptsächlich von zwei Seiten finanziert, der Wirtschaft und dem Staat. Allerdings ist der Staat auch sehr häufig an einem wirtschaftlichen Nutzen durch die Forschung interessiert, sodass hinter einem Großteil der Finanzierung ökonomische Überlegungen stehen. Dadurch kommt es, dass sich manche Bereiche der Wissenschaft deutlich schneller entwickeln als andere. Das sieht man sehr gut am Beispiel der Elektrotechnik, die durch ihr großes Marktpotential eines der finanzstärksten Forschungs- und Entwicklungs-gebiete überhaupt ist.
Diese Aspekte prägen auch die Nanotechnologie, denn die Forschungsförderung durch die EU und das BMBF wurde in den letzten Jahren sehr stark erhöht, was hauptsächlich auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass die Nanotechnologie Einzug in die Wirtschaft hält und die ersten Produkte auf den Markt gekommen sind. Die profitabelsten Bereiche sind dabei vor allem im Elektrotechnik- und IT-Bereich angesiedelt, was wiederum vielen Firmen den Anreiz gibt, ihre Forschung und Entwicklung in diesem Bereich auszubauen. Dadurch entwickelt sich eine gewisse Eigendynamik, bei der gewinnbringende Bereiche stärker gefördert und somit noch erfolgreicher werden.
Natürlich findet die Beeinflussung auch umgekehrt statt. Die noch junge Nanotechnologie stellt einen immer größeren Wirtschaftsfaktor in den hochentwickelten Industriestaaten dar. 2005 wurde das Marktvolumen der Nanotechnologie auf 100 Milliarden US-Dollar geschätzt – die Prognose für 2010 liegt etwa bei 1 Billion US-Dollar, also eine Verzehnfachung innerhalb von nur 5 Jahren. Des Weiteren wird die Nanotechnologie auch ein immer stärkerer Faktor im Arbeitsmarkt. 2005 wurden der Nanotechnologie etwa 500.000 Arbeitsplätze (global) zugeschrieben und eine Technologieanalyse und Unternehmensbefragung des BMBF und VDI ergab, dass 82% aller befragten Unternehmen einen wachsenden oder stark wachsenden Personalbedarf für ihre nanotechnologischen Arbeiten sehen.
Weitere Studien ergaben, dass die Unternehmensgründung in diesem Bereich besonders seit der Jahrtausendwende stark ansteigt, es sich hauptsächlich (zu 71%) um eigenständige Unternehmen handelt, die vor allem im Mittelstand angesiedelt sind (68% der befragten Unternehmen hatten 250 oder weniger Mitarbeiter). Insgesamt zeigen diese Daten, dass Nanotechnologie viel mehr als nur ein populärwissenschaftlicher „Hype“ ist, denn besonders in Deutschland wird sie künftig ein weiteres Standbein der Wirtschaft darstellen. Dabei ist auch zu beachten, dass die Wirtschaft hier nicht nur von neuen Produkten, sondern ebenfalls in starkem Maße von optimierten Verfahren und Effizienzsteigerungen in der Fertigung profitieren wird.
