Nanotechnologie: Gefahr für die Gesundheit?
Nanopartikel zeichnen sich in erster Linie durch ihre geringen Ausmaße aus. Das alleine kann sie zu einem potentiellen Risikofaktor machen, da sie dadurch leicht in unseren Körper gelangen können (Inhalation). Des Weiteren sind manche Partikel in der Lage, Zellmembranen oder die Blut-Hirn-Schranke ungehindert zu durchqueren, weil sie schlichtweg zu klein sind, um als Fremdkörper erkannt zu werden. Bestimmte Nanopartikel können also ungehindert in den Körper und wichtige Organe (Lunge, Hirn, Leber etc) eindringen und sich dort ablagern. Abhängig von ihrer chemischen, physikalischen und bioaktiven Beschaffenheit, können manche Partikel entzündlich und toxisch wirken.
Besonders Kohlenstoff-Nanoröhrchen stehen dabei im Zentrum der Kritik. Nachdem Mäusen in einem Test der Universität Edinburgh Nanoröhrchen injiziert wurden, zeigten sie Symptome, die denen einer Asbestvergiftung ähnlich waren. Die Beweiskraft des Versuchs ist bis heute umstritten, da einerseits die Partikel injiziert und nicht inhaliert wurden, andererseits aber eine extrem hohe Menge verabreicht wurde und sich hinterher herausstellte, dass andere, gleichartige Experimente mit den Nanoröhrchen keine Beschwerden bei Mäusen verursachte.
Schon heute finden nanoskalige Titanoxide Anwendung in Sonnencremes, da sie sehr effektiv vor schädlichem UV-Licht schützen. Kritiker sorgen sich, dass diese Nanopartikel aufgrund ihrer geringen Größe nicht nur in die obersten Hautschichten, sondern auch tiefer, im schlimmsten Fall sogar in den Blutkreislauf eindringen und schließlich Nervenzellen schädigen könnten. Obwohl dermatologische und klinische Testreihen dies nicht bestätigten, wird vielen Herstellern vorgeworfen, keine ausreichenden Langzeitstudien vor der Produktveröffentlichung durchgeführt zu haben.
Nichtsdestotrotz ist die Wirkung vieler Nanopartikel auf den Menschen weitgehend unerforscht und lässt sich daher schwer prognostizieren. Im Bereich der gesundheitlichen Risiken besteht daher noch großer Forschungsbedarf. Ein entwarnender Aspekt ist, dass nahezu alle erforschten Nanopartikel die Eigenschaft haben, „klebrig“ zu sein. Sie ballen sich häufig zusammen und haften schnell an makroskopischen Objekten und Oberflächen. Das hat zur Folge, dass sie sich nicht in der Luft ausbreiten wie Staub, sondern sich schnell absetzen, was das Risiko einer Inhalation stark vermindert. Des Weiteren lösen sich aufgrund dieser Eigenschaft Nanobeschichtungen nicht selbstständig von Oberflächen, was anfangs oft befürchtet wurde.
