Ethische Kritikpunkte
Neben gesundheitlichen Fragen besteht in mancher Hinsicht auch Bedarf an einer Diskussion ethischer Problemfelder der Nanotechnologie. Die Nanotechnologie vereint Physik/Chemie mit Biologie. An gewissen Stellen überschreitet sie die Grenze zwischen Leben und Technik. Nach aktuellem Stand der Forschung tritt dies bisher an zwei Stellen auf: Neuroprothesen und Selbstorganisation.
Bei Neuroprothesen lassen sich wie unter 3.3.3. erläutert Nervenzellen mit Elektroden erfolgreich verknüpfen und so beeinflussen. Bei der Tiefen Hirnstimulation (dem sogenannten „Hirnschrittmacher“) lässt sich sogar das Befinden und die Stimmung des Patienten kontrolliert beeinflussen. Dies wird ausgenutzt, um Depressionen oder Verhaltensstörungen zu kurieren, stellt aber einen Eingriff in das Innerste des Menschen dar und könnte im Extremfall zu Persönlichkeitsveränderungen führen oder auch missbraucht werden.
Die Selbstorganisation ist bisher zwar noch weitgehend unerforscht, wird aber als Grenze des Lebens gesehen. Selbstorganisation ist die eigenständige Ordnung einzelner Moleküle im energetischen Ungleichgewicht und ist unter anderem für die kleinsten biologischen Prozesse verantwortlich. Man ist schon heute in der Lage, die Selbstorganisation so zu steuern, dass simple Strukturen auf Oberflächen entstehen. Es ist ein langfristiges Ziel, die Selbstorganisation so weit zu beherrschen, dass sie Nanopartikel in der Massenproduktion herstellen kann. Viele Kritiker stören sich an dieser Vermischung von Technik und Leben, die distopisch gesehen auch zur Entwicklung neuer Bio-Waffen (synthetischer Viren) führen könnte.
